Viel Positives und viel Arbeit haben den ersten Monat geprägt.
Dr. Raj und seine philippinische Frau Ixa sind zurück und beteiligen sich aktiv in der neuen Dermatologie Station. Die Patientenzahl ist stark gestiegen. Wir konnten nun im ersten Dermatologie Zimmer drei Arbeitsplätze einrichten (zwei Pulte für ÄrztInnen und ein Pult für die Sterilisationsvorbereitung) und auch unser zweites Dermatologie Zimmer ist jetzt bereit für kleine Operationen und spezielle Untersuchungen. Alles ist sauber und die Arbeitsverhältnisse sind nun für uns sehr erfreulich. Auch das Zimmer für stationäre PatientInnen haben wir mit den Betten aus der Schweiz neu möbliert.

M. Mahesh hat mich schon in der ersten Woche in die nahegelegene Militärbasis mit 800 Soldaten mitgenommen. Er hat dort angefangen, das Abfallwesen zu verbessern. Ich sollte mich um die vielen Soldaten kümmern, welche an Hautkrankheiten, vor allem Pilzinfektionen leiden. Ueli Guggisberg und ich haben dann ein Camp unter freien Himmel organisiert, Aufklärung über die Infektionswege von Pilzkrankheiten gemacht und 150 Soldaten behandelt. Der leitende Major war so zufrieden, dass er uns angeboten hat, dass die Soldaten Arbeit im und um das Spital unentgeltlich übernehmen könnten. Schon am übernächsten Tag sind 80 Mann angerückt und haben wie die Ameisen gearbeitet, so fleissig, wie ich es bisher in Nepal noch nicht erlebt hatte. Ein Teil hat bei der Baustalle für die Nierenstation den Bau-Dreck und viel Gerümpel im Spital weggeputzt. Der andere Teil hat rings ums Spital den Abfall weggeräumt und vertrocknetes Gras geschnitten. Am Abend kam dann der Abfallwagen der Gemeinde und hat alles wegtransportiert. Nun kommen sie weiterhin fast täglich und manchen eine Umfassungsmauer um das Spitalareal.

Ein Höhepunkt war der Besuch bei den Kamaya. Rabi, Ueli und ich wurden mit einem grossen Fest, mit Musik und Tanz und vielen Blumenketten empfangen. Das neue Versammlungshaus war voll von Dorfbewohnern. Wir konnten die neu installierte Solaranlage auf dem Dach und die 175 "Home Systeme" auf den kleinen Hütten einweihen. Damit kann jede Familie in der Nacht während acht Stunden zwei Lampen betreiben. Und schlussendlich konnten wir auch über 50 Little Suns an die Frauengruppe verteilen. Gleich musste ich auch einen Patienten untersuchen, welcher an einer schweren chronischen Hautkrankheit, dem Pemphigoid, leidet. Die Krankheit wurde bisher nicht richtig diagnostiziert und behandelt. Weil er sich die Arztkosten nicht leisten kann, haben wir ihn nun bei uns für einige Wochen unentgeltlich hospitalisiert um die Behandlung einzuleiten, bis die Blasen abgeheilt sind und er nur noch eine Erhaltungstherapie braucht.

 

Der Sturm nach meinem Wechsel ins Ratnanagar Spital habe ich gut überstanden. Durgesh vom Gunjaman Trust konnte die Papiere und Buchhaltung nicht vorlegen, wonach sie die Maschinen bezahlt hatten, welche ich mitgenommen hatte. Und der Polizeioffizier hat die Klage bald als nichtig erklärt. Ich bin sehr froh, dass ich grosse Unterstützung hatte vom Ratnanagar Spitalkomitee und der Gemeinde Ratnanagar.

Seither läuft meine Arbeit wieder in ruhigen Bahnen und ich bin froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe. Der Ansturm von Patienten ist gar noch grösser geworden, viele von unseren früheren Patienten kommen jetzt ins Ratnanagar Spital. Vier treue Mitarbeitende von früher haben mit mir ebenfalls hierher gewechselt. Und seit anfangs Oktober sind jetzt auch Karin und Martin Weigel hier, sie ist Internistin und Martin ist spezialisierter Rettungssanitäter. Sie sind nicht nur einer grosse Hilfe im Spital, sondern kochen auch wunderbar. Zudem kann Martin auch viele Reparaturen in der Volontärwohnung machen, welche trotz Neubau schon nötig sind.

Weiterhin gibt es bei der medizinischen Versorgung noch viel zu tun und zu verbessern: Die Nepalesen haben eine der niedrigsten Lebenserwartungen in Asien – mit durchschnittlich 67,5 Jahren liegt diese in der Weltstatistik auf Platz 138 von insgesamt 169 erfassten Ländern.

Grosse Freude macht nach wie vor das Projekt bei den Kamaya, den ehemaligen Leibeigenen. Ihr kleines Dorf hat sich sehr entwickelt. Rund um die Siedlung haben sie inzwischen einen Wassergraben gemacht und konnten dank der Bewässerung nun erstmals viel Reis anpflanzen. Zudem haben sie von der Regierung einige Kühe erhalten. Und das von uns gespendete Schul- und Versammlungshaus ist im Rohbau fertig gestellt. Zusammen mit einem Solarspezialisten, mit Martin und Karin, haben wir wieder einen frohen Tag bei ihnen verbracht. Als nächstes werden wir jetzt dort die Installation von einigen Solarpanels unterstützen, damit sie endlich etwas Licht in der Nacht haben.

 

Seit Tagen sieht man viele Leute, welche mit einer Ziege an der Leine nach Hause wandern. Und die Zeitungen sind voll von Berichten, in welchen Distrikten es noch an Ziegen mangelt. Das bedeutet: jetzt ist Dashain, das grosse lange Fest der Hindu, welches unseren Weihnachtstagen entspricht. Ich bin froh, endlich in Ruhe die vier Feiertage zu geniessen, auch wenn ich jeden Abend irgendwo zum üblichen Dashain-Schmaus eingeladen bin.

Seit fünf Wochen bin ich nun schon wieder in Nepal und die Zeit ist im Nu und mit Arbeit vergangen. Bereits in der ersten Woche kam Andi Nidecker, der Röntgenarzt aus Basel, um im Gunjaman DCC eine Ultraschall-Fortbildung für unseren Assistenten Dr. Sunil und Dr. Suman vom Ratnanagar-Spital zu machen.

Kündigung

Wie befürchtet ist das neue Gunjaman-Spital auch jetzt noch nicht fertig. Die Antikorruptionsbehörde ist am Ermitteln, weil dort offenbar schlechtes Material eingesetzt wurde, der Zement schon bröckelt und viel Geld abgezweigt wurde. Und in der Buchhaltung des Day Care Center musste ich feststellen, dass einiges vom mühsam erwirtschafteten Geld zur Bezahlung von Rechnungen des Neubaus verwendet wurde. Dr. RC, der Assistenzarzt, welcher zwei Jahre bei uns gearbeitet hatte und nun die Prüfung bestanden und einen Ausbildungsplatz gefunden hatte, ist nicht ersetzt worden. Der andere Assistenzarzt, Dr. Sunil, hatte einen Urlaub von drei Monaten ab Ende September eingegeben. So wäre ich einmal mehr die einzige Ärztin dort gewesen, um die vielen Patienten zu betreuen. All dies und vor allem die zunehmend mangelnde Transparenz über die Zukunft des Projektes haben mich schliesslich schweren Herzens bewogen, die weitere Unterstützung von "Shanti Med Nepal" für das ganze Gunjaman Projekt aufzukündigen. Ich hatte dies dem Präsidenten mehrmals angekündigt, aber bis zuletzt in dieses Projekt viel Herzblut und Arbeit investiert. Die Unterstützung von Shanti Med und die Arbeit all der Schweizer Volontär/innen wurden auch stets gelobt, unsere Mitarbeitenden waren motiviert und die Patienten sehr zufrieden. Doch wegen der mangelnden Unterstützung durch die Gunjaman Stiftung fühlte ich mich zunehmend frustriert und ausgenutzt. Und nun hat sich das Blatt gottlob gewendet.

Umzug ins Ratnanagar Spital

Seit zwei Wochen arbeite ich nun im Ratnanagar Spital. Das dortige Spital-Komitee hatte mich schon vor mehr als einem Jahr um Mithilfe gebeten, vor allem auch, weil viele Patienten aus Ratnanagar in unser DCC Hilfe suchten. Seit letztem Jahr hat sich dort auch vieles zum Besseren verändert. Die Hälfte des Spitals wurde vom nationalen Nierenzentrum übernommen, um dort eine Nierenstation mit Dialysezentrum für den Bezirk Chitwan einzurichten, die Poliklinik wurde erweitert und schliesslich wurden zwei Zimmer frei gemacht für eine grössere Dermatologie Station. Mein neues Zimmer hier ist hell uns gross und schon recht gut eingerichtet. Die Patienten haben durch den Wechsel keinen Nachteil, die Leute aus Ratnanagar haben jetzt sogar einen viel kürzeren Weg, die Anderen haben es jetzt etwas weiter; allerdings sind sich die Nepali an lange Wege gewohnt. Schon jetzt freue ich mich darauf, dass im Januar unser früherer Assistent, Dr. Raj aus den Philippinen zurückkehrt, fertig ausgebildet als Spezialarzt für Dermatologie, und wir zusammen diese neue Station weiter ausbauen können.

Nepal Krimi

In meinem Kündigungsschreiben hatte ich Durgesh einen Kompromiss vorgeschlagen: Ich würde nur zwei wichtige Maschinen mitnehmen, die wir angeschafft hatten. Sehr viel Anderes wollte ich dort lassen, damit das DCC weiter funktionieren könne. Doch anstatt dies zu akzeptieren, haben sie nun mit einer nicht zu überbietenden Dreistigkeit reagiert, beraten von unserem früheren korrupten Manager: Sie verklagten Suresh, unser Hilfsassistenten und mich beim lokalen Polizeibüro des Diebstahls. Niemals jedoch hatte ich unterschrieben, dass die von Shanti Med gekauften Maschinen definitiv dem GMST gehören würden. Der Polizeioffizier hat zunächst Umesh geglaubt und kurzerhand unseren lieben Suresh ins Gefängnis gesteckt! Dank der grossen Unterstützung des Spitalkomitees und einiger wichtigen Leute der Handelskammer aus Ratnanagar wurde Suresh nach zwei Stunden wieder frei gelassen. Am nächsten Tag musste ich ebenfalls dort antraben und konnte dem Polizeioffizier klarmachen, dass Shanti Med die Maschinen bezahlt hatte. Er gab mir eine Woche Zeit, um die Belege vorzuweisen und ich habe gottlob in meinem Computer alles gefunden. Umesh wurde gebeten, alle Abrechnungen der Zahlungen von Shanti Med, die entsprechende Buchhaltung und Revision, vorzulegen. Gestern war dann wieder ein Termin, doch Umesh und Durgesh sind nicht erschienen. Bis nach Dashain haben sie noch eine Frist oder ihre Klage wird nichtig sein. Ich bin gelassen und warte ab, ob Umesh noch mehr Lügen bereit hat.

Und wir haben eine schöne Volontär-Wohnung in einem Neubau im "German Style" gefunden. Der Besitzer arbeitet seit 10 Jahren in Deutschland, seine Frau mit dem Kind ist hier und wird im Erdgeschoss wohnen. Wir haben die beiden oberen Stockwerke, etwas viel Stufen, aber dies ist bekanntlich gut für die Fitness. Vorläufig wohne ich allein dort, in einer Woche kommen dann Karin und Martin Weigel, sie ist Internistin, er ist Sanitäter-Fachmann.

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