Die grosse Solaranlage auf unserem Spital war inzwischen schon mehrmals Thema in den hiesigen TV- und anderen Medienbeiträgen. Das hat nun immer mehr das Gewerbe und die Hoteliers im nahegelegenen Touristenort Sauraha auf die nachhaltige Nutzung der Sonnenenergie aufmerksam gemacht.

Letzte Woche hat uns der Schweizer Solar-Pionier Allessandro Medici, welcher mit der lokalen Solarfirma Ghampower unsere PV-Anlage auf dem Spitaldach geplant hatte, auf Einladung des Chamber of Commerce and Industry besucht und dort einen eindrücklichen Vortrag zu den weiteren Möglichkeiten von Solarenergie gehalten. Das Echo war sehr gross und wir werden nun das Pilotprojekt eines eigenen Mini-Grids weiterverfolgen. Lesen Sie dazu seinen angefügten Bericht: "Ein Dialyse-Spital in Nepal geht solar und wird unabhängig"

Dank der finanziellen Unterstützung u.a. von Swisslos und Solarspar konnte Shanti Med Nepal inzwischen auch viele weitere kleine Solarprojekte realisieren, so Solaranlagen auf 6 Schulen, auf 5 Health Posts und rund 300 kleine Home Systems auf den kleinen Häuschen in entlegenen Dörfern, wo noch gar kein Elektrizitätsnetz besteht. Zudem konnten wir über 300 Little Suns, gespendet von der Konzertagentur Mandapro, verteilen.

Die Weiterentwicklung im Ratnanagar Spital geht erfreulich vorwärts: Während meiner Weihnachtsferien hat das Spital Komitee selbstständig eine Augenstation eingerichtet, mit einer permanenten Assistentin und einer Augenärztin.

Z.Z haben wir auch viel Unterstützung von europäischen VolontärInnen, mit Christa, einer österreichischen Dermatologin mit ihrem Allrounder-Partner Klemens und Margrith, einer Schweizer Pflegefachfrau. Zusammen mit unseren nepalesischen Angestellten von SMN sind wir ein sehr gutes Team. Sie alle entlasten mich sehr auf der Dermatologie Station und so habe ich mehr Zeit, mich um neue organisatorische Arbeiten zu kümmern.

Gemeinsam haben wir auch wieder begonnen, in entlegenen Dörfern Gesundheits-Camps durchzuführen, wo wir für die vielen unterernährten Kinder zusätzlich auch Nahrungsmittel verteilen. Das erste Camp haben wir in Padampur gemacht und dort über 200 PatientInnen behandelt. Die meisten Menschen haben bis vor einigen Jahren innerhalb des geschützten Urwalds gelebt und wurden dann in dieses Dorf umgesiedelt. Auch in der nahegelegenen Navodaya Schule mit über 250 SchülerInnen haben wir ein Dermatologie Camp durchgeführt. Hautkrankheiten wie Pilz- und Krätze-Infektionen sind dort besonders verbreitet.
Auch das Chepang Hostel in Ratnanagar haben wir wieder besucht und den Kindern mit vielen Spielsachen, welche im Container mitgekommen sind, grosse Freude gemacht. Margrith hat zusätzlich Eier und Früchte gespendet, denn viele Kinder dort sind viel zu klein für ihr Alter und leiden v.a. an Eiweissmangel.

Eine deutsche Zahnarzt-Gruppe der Organisation Open-Eyes hat wiederum ein sehr gut besuchtes Camp in unserem Spital durchgeführt.

Der Bau unseres neuen Operationssaals wird nach verschiedenen, ärgerlichen Verzögerungen nächste Woche endlich fertig sein und kann dann eingerichtet werden. Die notwendigen Apparate sind in Indien bereits bestellt.

Trotz der vielen Arbeit erleben wir auch viel Vergnügliches. So waren wir an die Hochzeit unserer langjährigen Sekretärin Menuka eingeladen. Und wir haben eine ganz tolle dreistündige Kanufahrt auf dem Rapti River in Sauraha gemacht.

Nächste Woche werden wir unser Kamaya Dorf im Südwesten besuchen.

Diesmal war der Beginn meiner Arbeit hier in Nepal recht mühsam. Viele Arbeiten sind während der intensiven Monsunzeit nicht weitergegangen. Zudem waren die Menschen wegen der vielen Nachbeben traumatisiert, es wurden bereits 360 Nachbeben nach dem ersten Beben vom 28.4. von mindestens der Stärke 4 gezählt und die Situation ist immer noch unsicher, weil neue schwere Beben im Südwesten Nepals angesagt sind. Dazu gab es wochenlange Streiks, zunächst aus Protesten gegen die geplante neue Verfassung, auch mit vielen Unruhen mit über 40 Todesfällen, und seit die Verfassung Ende September endlich verabschiedet worden war, gehen die Proteste und Streiks weiter, v.a. an der indischen Grenzlinie. Die Streikenden werden von der indischen Regierung unterstützt, welche alle wichtigen Zollübergänge blockiert hält. Die Inder protestieren, weil Nepal nun kein Hindustaat mehr ist, sondern die Religionsfreiheit einführt und weil die indisch stämmigen Bewohner des Südens angeblich durch die neue Verfassung nicht die gewünschten besseren Bedingungen erhalten. Durch die Blockade werden viele Güter rarer, v.a. Lebensmittel aus Indien und Benzin, das jetzt rigoros rationiert ist. Zudem lähmt all das die Wirtschaft, insbesondere auch den Tourismus, auf den Nepal am meisten angewiesen wäre.

Aber es gibt auch erfreuliches zu berichten:
Die Patientenzahl im Spital nimmt stetig zu. Letzte Woche erschien ein Artikel in der lokalen Presse, darin wurde v.a. auch die Arbeit der Dermatologie Station sehr gerühmt und inzwischen kommen noch mehr neue Patienten. Gestern wurde uns die 40 jährige Tika gebracht, welche einen Tag nach dem Erdbeben einen Hirnschlag mit Halbseitenlähmung erlitten hatte. Obwohl sie auch zwei Wochen in einem Universitätsspital in Kathmandu hospitalisiert gewesen war, hatte sich nichts gebessert. Weder wurde eine Rehabilitation eingeleitet, noch wurden ihre über 50 eitrigen und verkrusteten Wunden verbunden. Unser Dermatologe, Dr. Raj, hat mir gesagt, dass eigenartigerweise Wunden in der Regel hier von den Internisten mit Antibiotika behandelt würden, wenn das nicht funktioniert, müssten die Chirurgen es versuchen. Verbände würden diese aber auch nicht anlegen.

Das neue Labor ist nun toll eingerichtet, dank Spenden der Stiftung für freiheitliche Medizin und der Degen Stiftung, konnten wir zwei neue Apparate anschaffen und den benötigten klimatisierten Raum für den Autoanalyser einbauen. Damit ist es nun möglich, viele neue Labortest in unserem Spital durchzuführen. Dies ist v.a. auch wichtig für die neue Nierenabteilung mit den 7 Dialyseapparaten. Shanti Med konnte dazu die grosse Wasseraufbereitungsanlage und zwei Dialyseapparate beisteuern. Die Eröffnung sollte nun bald stattfinden, nachdem sie wegen Unregelmässigkeiten bei der Solaranlage immer wieder verschoben werden musste.

Grosse Freude machen mir die 32 Scouts aus Bonn, welche seit 10 Tagen wiederum für uns arbeiten. Die Hälfte davon arbeiten in unserem Spital und machen längst fällige Reparaturarbeiten: Sie flicken die zwei langen lecken Erdbebenfugen des Dachs durch welche bei jedem Regen Wasser ins des Spitals geflossen ist und an vielen Stellen Feuchtigkeit und Schimmel hinterlassen hat. Zudem werden sie auch ein schönes blaues Wellblechdach oben drauf setzen, sodass nun auch bei Regen die Wäsche dort aufgehängt werden kann. Im Erdbodengeschoss flicken sie die verstopften und wegen zu wenig Gefälle nicht ablaufenden Toiletten, welche seit einem Jahr nicht benutzt werden konnten. Und mit dem Malermeister Matthias werden einige Räume fachgerecht neu gestrichen. Die andere Hälfte der Scouts arbeiten am Wiederaufbau einer zerstörten Grundschule in einem Bergdorf. Ich bin sehr begeistert wie die jungen Scouts von 12-22 Jahren mit ihren drei Leitern und einem Journalisten aus Bonn die recht harte Arbeit anpacken und nicht klagen über die immer noch grosse Hitze. Dank dem Journalisten Fabian gibt es regelmässig Zeitungberichte im Bonner Anzeiger, womit sie sich auch Spendengelder erhoffen. Ein Teil der Baumaterialien wird jedoch auch von Shanti Med übernommen.

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