Zu sechst sind wir Ende Januar gut in Kathmandu gelandet: Dr. Bea (Kinderärztin), Dr. Boris (Internist) mit seiner ganzen Familie (Shihan, Jonas und Basil) und ich. Vor allem der Besuch von Swayambhunat, dem Affentempel auf dem Hügel in Kathmandu, war nicht nur für die Kinder sehr spannend.

Unser Container mit gebrauchtem Spitalmaterial, der im Oktober aus der Schweiz losgeschickt worden war, ist Mitte Januar gut in Pithuwa angekommen. M. Mahesh, Vorstandsmitglied von HECAF (www.hecaf.org) hatte für das National Nepal Kidney Center bereits sechs Dialyse Maschinen abgeholt und sie in einer neuen Dialyse Station im Sumeru Spital in Kathmandu installiert. Bea und ich wurden schon am ersten Tag zur Besichtigung eingeladen. Es war für uns ein Highlight zu sehen wie es auch sehr tüchtige Nepali gibt. Die Dialyse Station war innert vier Tagen eingerichtet und in Betrieb genommen worden. Bei unserer Besichtigung am Abend lag noch ein Patient an der Dialyse. Der Chefarzt des Kidney Center war hoch erfreut und dankbar über diese Schweizer Spende, denn noch immer gibt es in Nepal zu wenig Dialyseplätze. Wir andererseits konnten nur dank der Hilfe des Kidney Center den Container zollfrei importieren.

Eine Woche nach unserer Ankunft in Pithuwa gab es wieder ein Fest: die Einweihung eines weiteren Health Post in Chainpur, in welchem nun das Hospital Waste Management praktiziert wird. Es gab etwa 50 Gäste, die daran teilgenommen haben, inklusive zwei Minister, zwei Leute von der WHO, einer von UNDEP und einer vom staatlichen Wasserprojekt. Unser Gunjaman DCC hat anlässlich dieser Feier die Auszeichnung "Global Green and Healthy Hospital" erhalten.

Neben diesen erfreulichen Ereignissen gibt es einmal mehr eine Enttäuschung: Der Umzug ins neue Spital verzögert sich erneut auf den Nimmerleinstag. Wie üblich wird die Schuld anderen zugeschoben, diesmal den Indern, welche das restliche Geld nicht rechtzeitig überwiesen hätten. Da die Arbeiter schon einige Monate(!) keinen Lohn erhalten hatten, sind sie seit Wochen nicht mehr zur Arbeit erschienen. Doch obwohl der indische Konsul vor einer Woche hier war und einen neuen Check gebracht hat, läuft auf der Baustelle bis heute nichts. Unglaublich aber wahr und sehr frustrierend.

Trotzdem, Bea, Boris und ich sind ein sehr gutes Team. Unsere verschiedenen Spezialitäten ergänzen sich bestens. Und mit dem Einrichtungsmaterial aus der Schweiz haben wir wenigsten ein zusätzliches Behandlungszimmer einrichten können. Mit den beiden nepalesischen Assistenzärzten bieten wir der Bevölkerung ein sehr gutes medizinisches Angebot, welches auch rege und dankbar benutzt wird. Ab und zu mache wir Fortbildungen, wie z.B. in Notfallbehandlung.

Kurz vor meiner Heimreise orientiere ich euch gerne nochmals über die Freuden und Leiden meines 10 wöchigen Herbstaufenthaltes.

Das Leiden zuerst: Wir konnten immer noch nicht, wie ich sehnlichst gehofft hatte, ins neue Spital umziehen. Der Innenausbau geht leider sehr schleppend voran, vor allem auch, weil im Herbst die beiden grossen Feste, Dashein und Tihar, sind; an Dashein sind es 5 Tage und an Tihar 3 Tage, wo die Verwandten besucht, die Götter geehrt und ringsherum Geschenke gemacht werden müssen. Da ruht auch die Arbeit und viele Bauarbeiter machen die Brücke und bleiben gerade 3 Wochen bei den Angehörigen. Bei diesem Frust konnte ich mich etwas in asiatischer Gelassenheit üben, was mir gar nicht leicht gefallen ist.

Nun zu den vielen Freuden: Ein grosser Container, voll mit Spitaleinrichtungsmaterial, gespendet vom Malteserorden (www.aidass.ch), welcher in der Schweiz nicht mehr gebrauchtes, aber noch gutes Material in Spitälern sammelt, ist seit dem 16.Oktober unterwegs nach Nepal.

Eine tolle Gruppe von 18 deutschen Scouts hat während ihrer dreiwöchigen Ferien einen intensiven Arbeitseinsatz beim neuen Spital gemacht. Sie haben eine schöne Aussentoilette mit Fusswaschbrunnen gebaut, welche für die vielen ambulanten Patienten ganz wichtig sein wird. Zudem haben sie das Spital von dem vielen Baumüll gesäubert, das Dach für die Installation der Solaranlage vorbereitet und im Garten schon zahlreiche kleine Bäume gepflanzt. Die Leiter der Gruppe haben mich auch immer unterstützt, wenn es darum ging, den verantwortlichen Bauingenieur von notwendigen Verbesserungen zu überzeugen, z.B. dass in den Untersuchungs- und Behandlungszimmern unbedingt ein Lavabo eingebaut werden muss.

Während der Tihar Ferientage haben Inge und ich wieder das Kamaya Dorf ganz im Südwesten besucht. Im Frühjahr hatte ich ihnen Geld gespendet, um in ihrem Dorf Wasserpumpen zu installieren. Jetzt habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie gut sie das gemacht haben. Diesmal haben sie mich um Geld für ein gemauertes Schulzimmer gebeten, weil sie bloss eine offene, mit Stroh bedeckte Halle haben und es während der Monsunzeit unmöglich ist, dort überhaupt zu sitzen. Das Wasser würde oft 25 cm hoch stehen, auch in den kleinen Hütten, die eigentlich eine ganze Familie schützen sollten. Die Leute waren unglaublich dankbar für die Hilfe und haben für uns Musik gemacht und eine Frau hat wunderschön getanzt mit einem schönen Kleid und einem alten Schmuck, der der ganzen Gemeinschaft gehört. Dank einem Freund, welcher mir oft eine „Notfallkasse“ füllt, konnte ich auch diesmal ihren Wunsch erfüllen.

Inge war mir eine riesige Hilfe mit ihrem geübten und kritischen Blick für Hygiene und Sauberkeit. Geduldig und stetig hat sie alle unsere Angestellten trainiert und gefordert und sie einen guten Schritt weitergebracht. Inge wird mit mir in die Schweiz zurückreisen; zwei Schweizer Pflegefachfrauen, Anne Sophie Emmenegger und Christine Sommer, bleiben jedoch bis Ende Jahr hier und werden die gute Arbeit von Inge weiterführen.

Und das Erfreulichste: Unsere Patientenzahl wächst nach wie vor kontinuierlich, viele kommen manchmal von sehr weit her dank viel Mundpropaganda. Und dank all unserer SpenderInnen können wir weiterhin 20 bis 30% der Ärmsten gratis behandeln.

 

Der erste arbeitsreiche Monat ist bereits vorbei. Unsere Hilfe ist an vielen Orten gefragt. Gottlob hatte ich drei gute Helferinnen: Inge (Lehrerin für Krankenpflege) und Anne Sophie(Pflegefachfrau), sowie Saraswoti, welche ihren Master in Public Health abgeschlossen hat und nun teilweise für uns arbeitet.

Das Abenteuerlichste war das Health-Camp in einem weit entlegenen Chepang Dorf. Die Chepang sind eine kleine, vernachlässigte Ethnie, die meisten sind sehr arme Kleinbauern. Nach einer anderthalbstündigen Fahrt durch eine wildromantische Landschaft erreichten wir das Camp, wo uns schon etliche Patienten erwarteten. Rund 200 Patienten mussten wir behandeln, alles war kostenlos. Auch der Gesundheitsminister war mit einigen Leuten angereist und hatte eine zusätzliche Kiste Medikamente mitgebracht. Zwischendurch gab es einen heftigen Monsunregen, was wir dann auf dem Heimweg zu spüren bekamen. Der Fluss, welcher auf der Anreise noch gut passierbar war, war angeschwollen und das Auto des Gesundheitsministers wurde an einen Felsen abgedrängt. Gottlob konnte dieses nach mehreren Versuchen mit einem Traktor rausgezogen werden. Unser Auto konnte nachher die Passage schaffen, aber wir mussten ihm zu Fuss durchs tiefe Wasser folgen.

Eine grosse Freude war der Blitzbesuch von Dr. Raj, unserem ersten Arzt, welcher jetzt in Manila seine Weiterbildung macht. Er kam zusammen mit seiner philippinischen Freundin für zwei Wochen nach Nepal um zu heiraten. Er hat mich dann auch gleich unterstützt, als ich von einer nahegelegenen Internatsschule um Hilfe gebeten wurde, weil viele Kinder dort an Hautkrankheiten litten. Saraswoti hat uns dabei unterstützt und auf ihre Frage, wer alles an Juckreiz leiden würde, habe etwa die Hälfte der Kinder den Finger in die Höhe gestreckt. Über 40 Kinder litten an Krätze, viele an Pilzinfektionen oder an verkratzten Ekzemen.

Auch in unserem Day Care Center nimmt die Patientenzahl stetig zu. Dr. Fred aus Deutschland war wieder für einige Tage hier, um den beiden Assistenten ein Training in Ultraschall zu geben. Wir boten dazu für zwei Tage Gratis Ultraschall Untersuchungen an und an diesen Tagen hatten wir jeweils fast 200 Patienten, die Hälfte kamen für Ultraschall. Ein unglaubliches Gedränge überall.

Eine gute Zusammenarbeit hat sich mit dem Gesundheitsministerium hier in Chitwan ergeben, zum einem mit dem Camp, zum andern bei der offiziellen Einweihung der Waste Management Programme in den vier regionalen Health Posts in unserer Umgebung. Sowas wird hier gefeiert und dazu ist gar die Vertreterin des obersten Gesundheitsministers, eine vife Gynäkologin, aus Kathmandu angereist.

Bei der vielen interessanten Arbeit blieb mir gottlob wenig Zeit für die Enttäuschung, dass das neue Spital noch immer nicht bezugsbereit ist, hatte ich doch gehofft, dass wir jetzt umziehen können. Immerhin kommen die Innenausbauarbeiten doch recht gut voran und irgendwann wird es dann so weit sein.

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