Seit Tagen sieht man viele Leute, welche mit einer Ziege an der Leine nach Hause wandern. Und die Zeitungen sind voll von Berichten, in welchen Distrikten es noch an Ziegen mangelt. Das bedeutet: jetzt ist Dashain, das grosse lange Fest der Hindu, welches unseren Weihnachtstagen entspricht. Ich bin froh, endlich in Ruhe die vier Feiertage zu geniessen, auch wenn ich jeden Abend irgendwo zum üblichen Dashain-Schmaus eingeladen bin.

Seit fünf Wochen bin ich nun schon wieder in Nepal und die Zeit ist im Nu und mit Arbeit vergangen. Bereits in der ersten Woche kam Andi Nidecker, der Röntgenarzt aus Basel, um im Gunjaman DCC eine Ultraschall-Fortbildung für unseren Assistenten Dr. Sunil und Dr. Suman vom Ratnanagar-Spital zu machen.

Kündigung

Wie befürchtet ist das neue Gunjaman-Spital auch jetzt noch nicht fertig. Die Antikorruptionsbehörde ist am Ermitteln, weil dort offenbar schlechtes Material eingesetzt wurde, der Zement schon bröckelt und viel Geld abgezweigt wurde. Und in der Buchhaltung des Day Care Center musste ich feststellen, dass einiges vom mühsam erwirtschafteten Geld zur Bezahlung von Rechnungen des Neubaus verwendet wurde. Dr. RC, der Assistenzarzt, welcher zwei Jahre bei uns gearbeitet hatte und nun die Prüfung bestanden und einen Ausbildungsplatz gefunden hatte, ist nicht ersetzt worden. Der andere Assistenzarzt, Dr. Sunil, hatte einen Urlaub von drei Monaten ab Ende September eingegeben. So wäre ich einmal mehr die einzige Ärztin dort gewesen, um die vielen Patienten zu betreuen. All dies und vor allem die zunehmend mangelnde Transparenz über die Zukunft des Projektes haben mich schliesslich schweren Herzens bewogen, die weitere Unterstützung von "Shanti Med Nepal" für das ganze Gunjaman Projekt aufzukündigen. Ich hatte dies dem Präsidenten mehrmals angekündigt, aber bis zuletzt in dieses Projekt viel Herzblut und Arbeit investiert. Die Unterstützung von Shanti Med und die Arbeit all der Schweizer Volontär/innen wurden auch stets gelobt, unsere Mitarbeitenden waren motiviert und die Patienten sehr zufrieden. Doch wegen der mangelnden Unterstützung durch die Gunjaman Stiftung fühlte ich mich zunehmend frustriert und ausgenutzt. Und nun hat sich das Blatt gottlob gewendet.

Umzug ins Ratnanagar Spital

Seit zwei Wochen arbeite ich nun im Ratnanagar Spital. Das dortige Spital-Komitee hatte mich schon vor mehr als einem Jahr um Mithilfe gebeten, vor allem auch, weil viele Patienten aus Ratnanagar in unser DCC Hilfe suchten. Seit letztem Jahr hat sich dort auch vieles zum Besseren verändert. Die Hälfte des Spitals wurde vom nationalen Nierenzentrum übernommen, um dort eine Nierenstation mit Dialysezentrum für den Bezirk Chitwan einzurichten, die Poliklinik wurde erweitert und schliesslich wurden zwei Zimmer frei gemacht für eine grössere Dermatologie Station. Mein neues Zimmer hier ist hell uns gross und schon recht gut eingerichtet. Die Patienten haben durch den Wechsel keinen Nachteil, die Leute aus Ratnanagar haben jetzt sogar einen viel kürzeren Weg, die Anderen haben es jetzt etwas weiter; allerdings sind sich die Nepali an lange Wege gewohnt. Schon jetzt freue ich mich darauf, dass im Januar unser früherer Assistent, Dr. Raj aus den Philippinen zurückkehrt, fertig ausgebildet als Spezialarzt für Dermatologie, und wir zusammen diese neue Station weiter ausbauen können.

Nepal Krimi

In meinem Kündigungsschreiben hatte ich Durgesh einen Kompromiss vorgeschlagen: Ich würde nur zwei wichtige Maschinen mitnehmen, die wir angeschafft hatten. Sehr viel Anderes wollte ich dort lassen, damit das DCC weiter funktionieren könne. Doch anstatt dies zu akzeptieren, haben sie nun mit einer nicht zu überbietenden Dreistigkeit reagiert, beraten von unserem früheren korrupten Manager: Sie verklagten Suresh, unser Hilfsassistenten und mich beim lokalen Polizeibüro des Diebstahls. Niemals jedoch hatte ich unterschrieben, dass die von Shanti Med gekauften Maschinen definitiv dem GMST gehören würden. Der Polizeioffizier hat zunächst Umesh geglaubt und kurzerhand unseren lieben Suresh ins Gefängnis gesteckt! Dank der grossen Unterstützung des Spitalkomitees und einiger wichtigen Leute der Handelskammer aus Ratnanagar wurde Suresh nach zwei Stunden wieder frei gelassen. Am nächsten Tag musste ich ebenfalls dort antraben und konnte dem Polizeioffizier klarmachen, dass Shanti Med die Maschinen bezahlt hatte. Er gab mir eine Woche Zeit, um die Belege vorzuweisen und ich habe gottlob in meinem Computer alles gefunden. Umesh wurde gebeten, alle Abrechnungen der Zahlungen von Shanti Med, die entsprechende Buchhaltung und Revision, vorzulegen. Gestern war dann wieder ein Termin, doch Umesh und Durgesh sind nicht erschienen. Bis nach Dashain haben sie noch eine Frist oder ihre Klage wird nichtig sein. Ich bin gelassen und warte ab, ob Umesh noch mehr Lügen bereit hat.

Und wir haben eine schöne Volontär-Wohnung in einem Neubau im "German Style" gefunden. Der Besitzer arbeitet seit 10 Jahren in Deutschland, seine Frau mit dem Kind ist hier und wird im Erdgeschoss wohnen. Wir haben die beiden oberen Stockwerke, etwas viel Stufen, aber dies ist bekanntlich gut für die Fitness. Vorläufig wohne ich allein dort, in einer Woche kommen dann Karin und Martin Weigel, sie ist Internistin, er ist Sanitäter-Fachmann.

Zu sechst sind wir Ende Januar gut in Kathmandu gelandet: Dr. Bea (Kinderärztin), Dr. Boris (Internist) mit seiner ganzen Familie (Shihan, Jonas und Basil) und ich. Vor allem der Besuch von Swayambhunat, dem Affentempel auf dem Hügel in Kathmandu, war nicht nur für die Kinder sehr spannend.

Unser Container mit gebrauchtem Spitalmaterial, der im Oktober aus der Schweiz losgeschickt worden war, ist Mitte Januar gut in Pithuwa angekommen. M. Mahesh, Vorstandsmitglied von HECAF (www.hecaf.org) hatte für das National Nepal Kidney Center bereits sechs Dialyse Maschinen abgeholt und sie in einer neuen Dialyse Station im Sumeru Spital in Kathmandu installiert. Bea und ich wurden schon am ersten Tag zur Besichtigung eingeladen. Es war für uns ein Highlight zu sehen wie es auch sehr tüchtige Nepali gibt. Die Dialyse Station war innert vier Tagen eingerichtet und in Betrieb genommen worden. Bei unserer Besichtigung am Abend lag noch ein Patient an der Dialyse. Der Chefarzt des Kidney Center war hoch erfreut und dankbar über diese Schweizer Spende, denn noch immer gibt es in Nepal zu wenig Dialyseplätze. Wir andererseits konnten nur dank der Hilfe des Kidney Center den Container zollfrei importieren.

Eine Woche nach unserer Ankunft in Pithuwa gab es wieder ein Fest: die Einweihung eines weiteren Health Post in Chainpur, in welchem nun das Hospital Waste Management praktiziert wird. Es gab etwa 50 Gäste, die daran teilgenommen haben, inklusive zwei Minister, zwei Leute von der WHO, einer von UNDEP und einer vom staatlichen Wasserprojekt. Unser Gunjaman DCC hat anlässlich dieser Feier die Auszeichnung "Global Green and Healthy Hospital" erhalten.

Neben diesen erfreulichen Ereignissen gibt es einmal mehr eine Enttäuschung: Der Umzug ins neue Spital verzögert sich erneut auf den Nimmerleinstag. Wie üblich wird die Schuld anderen zugeschoben, diesmal den Indern, welche das restliche Geld nicht rechtzeitig überwiesen hätten. Da die Arbeiter schon einige Monate(!) keinen Lohn erhalten hatten, sind sie seit Wochen nicht mehr zur Arbeit erschienen. Doch obwohl der indische Konsul vor einer Woche hier war und einen neuen Check gebracht hat, läuft auf der Baustelle bis heute nichts. Unglaublich aber wahr und sehr frustrierend.

Trotzdem, Bea, Boris und ich sind ein sehr gutes Team. Unsere verschiedenen Spezialitäten ergänzen sich bestens. Und mit dem Einrichtungsmaterial aus der Schweiz haben wir wenigsten ein zusätzliches Behandlungszimmer einrichten können. Mit den beiden nepalesischen Assistenzärzten bieten wir der Bevölkerung ein sehr gutes medizinisches Angebot, welches auch rege und dankbar benutzt wird. Ab und zu mache wir Fortbildungen, wie z.B. in Notfallbehandlung.

Kurz vor meiner Heimreise orientiere ich euch gerne nochmals über die Freuden und Leiden meines 10 wöchigen Herbstaufenthaltes.

Das Leiden zuerst: Wir konnten immer noch nicht, wie ich sehnlichst gehofft hatte, ins neue Spital umziehen. Der Innenausbau geht leider sehr schleppend voran, vor allem auch, weil im Herbst die beiden grossen Feste, Dashein und Tihar, sind; an Dashein sind es 5 Tage und an Tihar 3 Tage, wo die Verwandten besucht, die Götter geehrt und ringsherum Geschenke gemacht werden müssen. Da ruht auch die Arbeit und viele Bauarbeiter machen die Brücke und bleiben gerade 3 Wochen bei den Angehörigen. Bei diesem Frust konnte ich mich etwas in asiatischer Gelassenheit üben, was mir gar nicht leicht gefallen ist.

Nun zu den vielen Freuden: Ein grosser Container, voll mit Spitaleinrichtungsmaterial, gespendet vom Malteserorden (www.aidass.ch), welcher in der Schweiz nicht mehr gebrauchtes, aber noch gutes Material in Spitälern sammelt, ist seit dem 16.Oktober unterwegs nach Nepal.

Eine tolle Gruppe von 18 deutschen Scouts hat während ihrer dreiwöchigen Ferien einen intensiven Arbeitseinsatz beim neuen Spital gemacht. Sie haben eine schöne Aussentoilette mit Fusswaschbrunnen gebaut, welche für die vielen ambulanten Patienten ganz wichtig sein wird. Zudem haben sie das Spital von dem vielen Baumüll gesäubert, das Dach für die Installation der Solaranlage vorbereitet und im Garten schon zahlreiche kleine Bäume gepflanzt. Die Leiter der Gruppe haben mich auch immer unterstützt, wenn es darum ging, den verantwortlichen Bauingenieur von notwendigen Verbesserungen zu überzeugen, z.B. dass in den Untersuchungs- und Behandlungszimmern unbedingt ein Lavabo eingebaut werden muss.

Während der Tihar Ferientage haben Inge und ich wieder das Kamaya Dorf ganz im Südwesten besucht. Im Frühjahr hatte ich ihnen Geld gespendet, um in ihrem Dorf Wasserpumpen zu installieren. Jetzt habe ich mit eigenen Augen gesehen, wie gut sie das gemacht haben. Diesmal haben sie mich um Geld für ein gemauertes Schulzimmer gebeten, weil sie bloss eine offene, mit Stroh bedeckte Halle haben und es während der Monsunzeit unmöglich ist, dort überhaupt zu sitzen. Das Wasser würde oft 25 cm hoch stehen, auch in den kleinen Hütten, die eigentlich eine ganze Familie schützen sollten. Die Leute waren unglaublich dankbar für die Hilfe und haben für uns Musik gemacht und eine Frau hat wunderschön getanzt mit einem schönen Kleid und einem alten Schmuck, der der ganzen Gemeinschaft gehört. Dank einem Freund, welcher mir oft eine „Notfallkasse“ füllt, konnte ich auch diesmal ihren Wunsch erfüllen.

Inge war mir eine riesige Hilfe mit ihrem geübten und kritischen Blick für Hygiene und Sauberkeit. Geduldig und stetig hat sie alle unsere Angestellten trainiert und gefordert und sie einen guten Schritt weitergebracht. Inge wird mit mir in die Schweiz zurückreisen; zwei Schweizer Pflegefachfrauen, Anne Sophie Emmenegger und Christine Sommer, bleiben jedoch bis Ende Jahr hier und werden die gute Arbeit von Inge weiterführen.

Und das Erfreulichste: Unsere Patientenzahl wächst nach wie vor kontinuierlich, viele kommen manchmal von sehr weit her dank viel Mundpropaganda. Und dank all unserer SpenderInnen können wir weiterhin 20 bis 30% der Ärmsten gratis behandeln.

 

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