Seit unser Spital zu einem Provinzspital aufgewertet wurde, leistet die Regierung nun auch mehr finanzielle Beiträge und schickt mehr staatliche medizinisches Personal.

Die Apotheke ist fertig und nun 24 Stunden geöffnet.

Auch die Aufstockung des Altbaus ist fertig und nun kann der Innenausbau beginnen.

Neue Spezialisten: Inzwischen haben wir einen weiteren Kinderarzt, denn unser Dr. Biswo ist zwar Kinderarzt, aber er arbeitet nun nur noch als medizinischer Leiter des Spitals. Wir haben auch einen Orthopäden, einen HNO-Arzt, eine zweite Frauenärztin und einen Allgemeinchirurgen.

Auf einem grossen Feld anschliessend an das Spitalareal wird ein grosser Parkplatz für die vielen ambulanten Patienten entstehen. Das Land wurde von einer wohlhabenden Nepalesin gespendet.

In zwei Wochen sollte nach grosser Verspätung endlich auch der Spital-Lift eingeweiht werden können.

Vor drei Tagen ist die Internet-Anmeldung-Webseite in Betrieb gegangen: Patienten können sich nun von zu Hause an anmelden und das Ticket bezahlen und erhalten einen Code. Damit können sie sich nun am neuen Internet-Schalter anmelden und brauchen nicht mehr an den bisherigen langen Schlangen anzustehen.

Das alles ist sehr erfreulich.

Bei zwei Verteilaktionen von Rollstühlen, Rollatoren und anderem Material konnten wir viel Material an Behinderte und Betagte Menschen abgeben. Unser Mitarbeiter Niswarth hat das sehr gut organisiert.

Drei VolontärInnen haben uns bei der vielen Arbeit geholfen, der Dermatologe Jürgen Grabbe, seine Frau Beate und Andrea Frick, eine Osteopathin. Sie alle warne eine grosse Hilfe. Trotz der vielen Arbeit hatten wir auch viel Spass und konnten einige Ausflüge zusammen machen.

Immer wieder gibt es so berührende Schicksale von PatientInnen:
Die beiden Mädchen waren allein zu Hause, während die Mutter bei der Arbeit war und der Vater Besorgungen machte. Die Kinder wollten Feuer für Tee machen, aber dann hat das Feuer plötzlich um sich gegriffen, das Haus hat gebrannt und die Kinder erlitten grosse Brandwunden. Gottlob konnten Nachbarn schnell eingreifen und kamen mit den beiden nackten Kindern. Ich staunte, weil sie in den Haaren eine klebrige Masse hatten. Ich wurde dann aufgeklärt, dass mit einem Ei in den Haaren die Verbrennungen weniger Schaden anrichten würden.

Unserem kleinen Sudip geht es weniger gut, noch immer hat er an beiden Beinen Gipse und muss herumgetragen werden. Erstaunlich erträgt er es immer noch stoisch und lächelt wie ein kleiner Buddha. Endlich soll er aber in zwei Wochen Gehgipse erhalten.

Babys, Babys
Weiterhin freuen wir uns über die vielen Geburten in unserem Spital und die Mütter freuen sich über die schönen Baby-Sachen, welche wir aus der Schweiz bringen. Ein grosser Dank an all die Strickerinnen und Spenderinnen. Der kleinste Bub im grünen Hemd ist nur gerade 1,5 kg schwer, aber ganz munter und trinkt schon ganz gut.

 

Mit zwei Tagen Verspätung bin ich am 11.Februar wieder in Nepal gelandet. Ich habe mich vor Abreise impfen lassen und daher keinen Covid-Test machen lassen. Am Flughafen aber musste ich diesen nachholen, bevor ich ins Flugzeug durfte.

In Nepal habe ich zunächst den kleinen Sudip im Kinderspital besucht, wo er vorher nochmals operiert worden war. Drei Tage später konnte ich ihn dann abholen und nach einer Nacht im Hotel sind wir dann gemeinsam mit seinem Vater nach Chitwan gefahren. Sudip hat immer noch Gipse und kann deshalb nicht zur Schule. Aber ich konnte ihm zwei Privatstunden täglich organisieren. Dem kleinen Bruder Sundar geht es gut und er kann die nahegelegene Schule besuchen.

Während meiner Abwesenheit ist im Spital einiges vorwärtsgegangen:

  • Das Dach auf dem Neubau ist nun fertig. Die Solaranlage ist wieder montiert.
  • Die neue Apotheke am Eingang des Spitalareals wird bis in drei Wochen bezugsbereit sein.
  • Der Liftschacht ist fertiggestellt, der Schindler-Lift aus dem Werk in Indien ist angekommen und nun warten wir ungeduldig auf den Einbau.
  • Nur mit dem Ausbau des 2.Stocks auf den Altbau hapert es. Zuerst müssen jetzt die Pläne zur Zimmer-Einteilung gemacht werden. Auch ein zweiter Operationssaal mit Intensivstation und OP-Nachbetreuung wird geplant.

Inzwischen wird die Platznot im Spital immer grösser, denn die Patientenzahl steigt weiterhin.

Nach zwei Jahren haben wir unseren Dermatologen Dr. Arun Karki verabschiedet. Eigentlich wollte er nur ein Jahr bleiben. Nun will er erst mal länger Ferien machen und in die Berge steigen.

Und zur Feier des Geburtstags für den neuen Dermatologen, Dr. Manoj Adhikary, gab es einige Tage später auch eine Torte.

Eigentlich wollten ab Ende Februar drei VolontärInnen bei uns arbeiten. Andrea Frick, eine Osteopathin, ist gut angekommen und hat schon recht viel zu tun. Leider konnten die beiden anderen nicht reisen, weil sie positiv auf Covid getestet wurden. Vielleicht können sie noch für einen kurzen Schnupper-Einsatz kommen, wenn der nächste Test negativ ist.

Seit vier Wochen ist unsere grosse Aula in ein Impfzentrum umgewandelt worden. Nepal hat drei Millionen Dosen aus Indien gratis erhalten und wird nun noch weiter dazu kaufen. Mehrere Tage kamen um die 1000 Menschen zum Impfen: Nach dem Spital-Personal wurden alle Staatsangestellten der Gemeinde Ratnanagar geimpft. Zunächst die Gemeindeangestellten, dann das Polizeicorps, dann das Militär bis hinunter zu den jungen Rekruten. Im Gegensatz zur Schweiz müssen hier die älteren Menschen und die gefährdeten Kranken nun auf das Eintreffen der nächsten Impfstoffe aus Indien warten.

Vor einer Woche habe ich in Kathmandu eine Auszeichnung für die Arbeit von SMN erhalten. Der Preis wurde von der Journalistenvereinigung Swastya Darpan verliehen, welche v.a. in Zeitungen und Fernsehen über die Gesundheitsprobleme in Nepal berichtet.

Leider rutscht das Land immer weiter in die Armut ab. Der Tourismus ist erst langsam angelaufen. Die Einreisebedingungen bleiben streng und Personen aus Risikogebieten müssen zunächst in Quarantäne. Neuansteckungen und Todesfälle scheinen gemäss den veröffentlichen Statistiken abzunehmen.

Politisch bleibt die Lage weiter angespannt. Immerhin hat das oberste Gericht vor zwei Wochen die Auflösung des Parlamentes für ungültig erklärt und am 7. März hat das Parlament nach einem dreimonatigen Unterbruch zum ersten Mal wieder getagt. Zunächst soll wieder ein neuer Ministerpräsident gewählt werden, aber das wird wohl dauern.

 

Nepal im Würge-Griff des Corona Virus

Europa kämpft gegen die steigenden Corona Infektionen. Doch in Nepal herrscht schon seit Ausbruch der Corona Krise eine Art Schockstarre. Zu Beginn hat die Regierung einen monatelangen harten Lockdown verhängt, sich aber wenig intensiv um Verbesserungen im Gesundheitswesen gekümmert. Forderungen von Seiten der Präventivmediziner wurden nicht umgesetzt.

Immer wieder wurde auch die Öffnung der Grenzen verschoben. Erst anfangs Oktober wurden für einige Tage Visa ausgegeben und ich hatte Glück das Visum zu erhalten. Schon nach einer Woche war es dann wieder Schluss damit.

Die Spitäler sind mit der Situation überfordert und es mangelt an Schutzmaterial, an Betten und an der notwendigen Spezialausrüstung für die Intensivpflege. Zudem gibt es nicht genügend Gesundheitspersonal. V.a. die grossen Städte kämpfen mit immer noch steigenden Infektionen. In der Hauptstadt Kathmandu mit über drei Millionen Einwohnern bilden sich vor der Spitälern Schlangen von Patienten, welche wegen Bettenmangel nicht aufgenommen werden können.

Arbeitslosigkeit und Hunger

Die Hoffnung, dass ab Herbst wieder Touristen einreisen dürften, hat sich nicht erfüllt. So bleiben Hotels, Tourismusangestellte und Souvenir-Händler ohne Arbeit und Verdienst. Thamel, das grosse, sonst so belebte Touristenviertel von Kathmandu, ist völlig ausgestorben. Im Hotel, wo ich die erste Nacht blieb, war nur gerade noch ein anderer ausländischer Tourist. Glücklicherweise mussten wir nicht sieben Tage dort in Quarantäne ausharren, wie ursprünglich vorgeschrieben war.

Die Verzweiflung der Menschen steigt, Depressionen nehmen zu und auch die Zahl der Suizide. Die Schulen sind seit Mitte März geschlossen, wenige Privatschulen haben für die älteren Schüler den Internetunterricht eingerichtet. Doch die Jugendlichen haben genug davon und möchten wieder mit ihren Kameraden zusammen sein.

Ratnanagar Spital

Obwohl Ratnanagar eher eine ländliche Region ist und die Corona-Fallzahlen deshalb auch nicht so stark steigen wie in den grossen Städten, hat die Pandemie auch bei uns die Aktivitäten erheblich beeinträchtigt. Zeitweise durften nur Notfälle behandelt werden. Als wieder mit dem Normalbetrieb begonnen wurde, haben sich mehrere Angestellte infiziert, sodass dann alle getestet und glücklicherweise keine weiteren Ansteckungen gefunden wurden. Seither werden die Präventionsmassnahmen ernster genommen und strenger durchgesetzt.

Seit unser Spital aufgewertet wurde, gibt es auch mehr staatliche Unterstützung. Z.Z wird beim Eingang zum Spitalgelände eine neue Apotheke gebaut, weil die bisherige Apotheke im Altbau viel zu klein geworden ist und sich davor oft lange Schlangen bilden.


Shanti Med Lebensmittel-Programm

Wie ich schon in meinem letzten Mail berichtet habe, konnten wir unsere Lebensmittelprogramm dank vieler, z.T. freiwilligen Helfern weiterführen. Weiterhin profitieren davon v.a. Familien, Schwangere, unterernährte Kinder und Behinderte, welche durch Corona in Not geraten sind. In 29 Dörfern und Weilern bekamen 3540 Familien einen grossen Sack Reis, manchmal auch noch Linsen dazu. Insgesamt wurden 72'755 kg Reis und 780 kg Linsen verteilt. An 3761 unter- oder mangelernährte Kinder haben wir Superfood-Pakete abgegeben, welche ausser Reis, Linsen, getrockneten Hülsenfrüchten, Eiern auch noch einige Kindersnacks enthielten. Solche Superfood-Pakete wurden im Spital auch an Schwangere, Gebärende, ältere Menschen und Behinderte verteilt. Die Menschen sind sehr glücklich und dankbar und schultern zufrieden die schweren Säcke, um sie dann in die oft noch weiter entfernten Behausungen zu bringen.

Mehr Details können Sie der Liste «Summery Relief Program - 2020» entnehmen.

Gerne möchten wir das Programm weiterführen, wenn Sie uns wieder dabei helfen.

Insgesamt haben wir bis zum 26.10.2020 dafür 5,018,782 NepRupia ausgegeben, das entspricht knapp 50'000 CHF. Das war nur möglich dank vielen SpenderInnen und einiger Organisationen.

 

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