Mit zwei Tagen Verspätung bin ich am 11.Februar wieder in Nepal gelandet. Ich habe mich vor Abreise impfen lassen und daher keinen Covid-Test machen lassen. Am Flughafen aber musste ich diesen nachholen, bevor ich ins Flugzeug durfte.

In Nepal habe ich zunächst den kleinen Sudip im Kinderspital besucht, wo er vorher nochmals operiert worden war. Drei Tage später konnte ich ihn dann abholen und nach einer Nacht im Hotel sind wir dann gemeinsam mit seinem Vater nach Chitwan gefahren. Sudip hat immer noch Gipse und kann deshalb nicht zur Schule. Aber ich konnte ihm zwei Privatstunden täglich organisieren. Dem kleinen Bruder Sundar geht es gut und er kann die nahegelegene Schule besuchen.

Während meiner Abwesenheit ist im Spital einiges vorwärtsgegangen:

  • Das Dach auf dem Neubau ist nun fertig. Die Solaranlage ist wieder montiert.
  • Die neue Apotheke am Eingang des Spitalareals wird bis in drei Wochen bezugsbereit sein.
  • Der Liftschacht ist fertiggestellt, der Schindler-Lift aus dem Werk in Indien ist angekommen und nun warten wir ungeduldig auf den Einbau.
  • Nur mit dem Ausbau des 2.Stocks auf den Altbau hapert es. Zuerst müssen jetzt die Pläne zur Zimmer-Einteilung gemacht werden. Auch ein zweiter Operationssaal mit Intensivstation und OP-Nachbetreuung wird geplant.

Inzwischen wird die Platznot im Spital immer grösser, denn die Patientenzahl steigt weiterhin.

Nach zwei Jahren haben wir unseren Dermatologen Dr. Arun Karki verabschiedet. Eigentlich wollte er nur ein Jahr bleiben. Nun will er erst mal länger Ferien machen und in die Berge steigen.

Und zur Feier des Geburtstags für den neuen Dermatologen, Dr. Manoj Adhikary, gab es einige Tage später auch eine Torte.

Eigentlich wollten ab Ende Februar drei VolontärInnen bei uns arbeiten. Andrea Frick, eine Osteopathin, ist gut angekommen und hat schon recht viel zu tun. Leider konnten die beiden anderen nicht reisen, weil sie positiv auf Covid getestet wurden. Vielleicht können sie noch für einen kurzen Schnupper-Einsatz kommen, wenn der nächste Test negativ ist.

Seit vier Wochen ist unsere grosse Aula in ein Impfzentrum umgewandelt worden. Nepal hat drei Millionen Dosen aus Indien gratis erhalten und wird nun noch weiter dazu kaufen. Mehrere Tage kamen um die 1000 Menschen zum Impfen: Nach dem Spital-Personal wurden alle Staatsangestellten der Gemeinde Ratnanagar geimpft. Zunächst die Gemeindeangestellten, dann das Polizeicorps, dann das Militär bis hinunter zu den jungen Rekruten. Im Gegensatz zur Schweiz müssen hier die älteren Menschen und die gefährdeten Kranken nun auf das Eintreffen der nächsten Impfstoffe aus Indien warten.

Vor einer Woche habe ich in Kathmandu eine Auszeichnung für die Arbeit von SMN erhalten. Der Preis wurde von der Journalistenvereinigung Swastya Darpan verliehen, welche v.a. in Zeitungen und Fernsehen über die Gesundheitsprobleme in Nepal berichtet.

Leider rutscht das Land immer weiter in die Armut ab. Der Tourismus ist erst langsam angelaufen. Die Einreisebedingungen bleiben streng und Personen aus Risikogebieten müssen zunächst in Quarantäne. Neuansteckungen und Todesfälle scheinen gemäss den veröffentlichen Statistiken abzunehmen.

Politisch bleibt die Lage weiter angespannt. Immerhin hat das oberste Gericht vor zwei Wochen die Auflösung des Parlamentes für ungültig erklärt und am 7. März hat das Parlament nach einem dreimonatigen Unterbruch zum ersten Mal wieder getagt. Zunächst soll wieder ein neuer Ministerpräsident gewählt werden, aber das wird wohl dauern.

 

Nepal im Würge-Griff des Corona Virus

Europa kämpft gegen die steigenden Corona Infektionen. Doch in Nepal herrscht schon seit Ausbruch der Corona Krise eine Art Schockstarre. Zu Beginn hat die Regierung einen monatelangen harten Lockdown verhängt, sich aber wenig intensiv um Verbesserungen im Gesundheitswesen gekümmert. Forderungen von Seiten der Präventivmediziner wurden nicht umgesetzt.

Immer wieder wurde auch die Öffnung der Grenzen verschoben. Erst anfangs Oktober wurden für einige Tage Visa ausgegeben und ich hatte Glück das Visum zu erhalten. Schon nach einer Woche war es dann wieder Schluss damit.

Die Spitäler sind mit der Situation überfordert und es mangelt an Schutzmaterial, an Betten und an der notwendigen Spezialausrüstung für die Intensivpflege. Zudem gibt es nicht genügend Gesundheitspersonal. V.a. die grossen Städte kämpfen mit immer noch steigenden Infektionen. In der Hauptstadt Kathmandu mit über drei Millionen Einwohnern bilden sich vor der Spitälern Schlangen von Patienten, welche wegen Bettenmangel nicht aufgenommen werden können.

Arbeitslosigkeit und Hunger

Die Hoffnung, dass ab Herbst wieder Touristen einreisen dürften, hat sich nicht erfüllt. So bleiben Hotels, Tourismusangestellte und Souvenir-Händler ohne Arbeit und Verdienst. Thamel, das grosse, sonst so belebte Touristenviertel von Kathmandu, ist völlig ausgestorben. Im Hotel, wo ich die erste Nacht blieb, war nur gerade noch ein anderer ausländischer Tourist. Glücklicherweise mussten wir nicht sieben Tage dort in Quarantäne ausharren, wie ursprünglich vorgeschrieben war.

Die Verzweiflung der Menschen steigt, Depressionen nehmen zu und auch die Zahl der Suizide. Die Schulen sind seit Mitte März geschlossen, wenige Privatschulen haben für die älteren Schüler den Internetunterricht eingerichtet. Doch die Jugendlichen haben genug davon und möchten wieder mit ihren Kameraden zusammen sein.

Ratnanagar Spital

Obwohl Ratnanagar eher eine ländliche Region ist und die Corona-Fallzahlen deshalb auch nicht so stark steigen wie in den grossen Städten, hat die Pandemie auch bei uns die Aktivitäten erheblich beeinträchtigt. Zeitweise durften nur Notfälle behandelt werden. Als wieder mit dem Normalbetrieb begonnen wurde, haben sich mehrere Angestellte infiziert, sodass dann alle getestet und glücklicherweise keine weiteren Ansteckungen gefunden wurden. Seither werden die Präventionsmassnahmen ernster genommen und strenger durchgesetzt.

Seit unser Spital aufgewertet wurde, gibt es auch mehr staatliche Unterstützung. Z.Z wird beim Eingang zum Spitalgelände eine neue Apotheke gebaut, weil die bisherige Apotheke im Altbau viel zu klein geworden ist und sich davor oft lange Schlangen bilden.


Shanti Med Lebensmittel-Programm

Wie ich schon in meinem letzten Mail berichtet habe, konnten wir unsere Lebensmittelprogramm dank vieler, z.T. freiwilligen Helfern weiterführen. Weiterhin profitieren davon v.a. Familien, Schwangere, unterernährte Kinder und Behinderte, welche durch Corona in Not geraten sind. In 29 Dörfern und Weilern bekamen 3540 Familien einen grossen Sack Reis, manchmal auch noch Linsen dazu. Insgesamt wurden 72'755 kg Reis und 780 kg Linsen verteilt. An 3761 unter- oder mangelernährte Kinder haben wir Superfood-Pakete abgegeben, welche ausser Reis, Linsen, getrockneten Hülsenfrüchten, Eiern auch noch einige Kindersnacks enthielten. Solche Superfood-Pakete wurden im Spital auch an Schwangere, Gebärende, ältere Menschen und Behinderte verteilt. Die Menschen sind sehr glücklich und dankbar und schultern zufrieden die schweren Säcke, um sie dann in die oft noch weiter entfernten Behausungen zu bringen.

Mehr Details können Sie der Liste «Summery Relief Program - 2020» entnehmen.

Gerne möchten wir das Programm weiterführen, wenn Sie uns wieder dabei helfen.

Insgesamt haben wir bis zum 26.10.2020 dafür 5,018,782 NepRupia ausgegeben, das entspricht knapp 50'000 CHF. Das war nur möglich dank vielen SpenderInnen und einiger Organisationen.

 

Bericht vom 30.7.2020

 

Viele Menschen sind verzweifelt

Es ist weniger die Angst vor der Covid 19 Pandemie als die harten, vier Monate dauernden Lockdown Massnahmen, welche vielen Menschen in Nepal an den Abgrund gebracht haben. Arbeitslosigkeit, fehlendes Einkommen, Schulden, steigende Lebensmittelpreise und die erneuten schweren Überschwemmungen während der Monsunzeit haben die eh schon Ärmsten sehr hart getroffen. Ich habe gelesen, dass Hunderte von Menschen den Freitod gewählt haben aus Angst vor dem Verhungern, vor Corona und kompletter Insolvenz. Dazu kommt die fehlende medizinische Versorgung, denn im Lockdown gab es auch keinen öffentlichen Verkehr mehr, sodass auch für viele Kranke eine medizinische Behandlung nicht mehr erreichbar war.

Die Massnahmen haben bis jetzt immerhin eine starke Ausbreitung des Virus verhindert und die Regierung hat eine langsame Lockerung beschlossen. Allerdings steigt damit die Gefahr von Ansteckungen durch Einreisende, v.a. aus Indien. Bereits wenige Tage danach sind neu angekommene Inder in Kathmandu positiv getestet worden.

 

Hilfe gegen die Hunger «Pandemie»

Bereits Ende Mai hatte Shanti Med mit einer breit angelegten Hilfsaktion gegen den Hunger in unserer Region gestartet. Wir konnten dafür auf unser grosses Netzwerk mit Menschen und Organisationen zählen, welche uns schon früher bei Hilfscamps nach dem Erdbeben und den Überschwemmungen unterstützt hatten:

  • Sr. Miriam hat mit unserer Hilfe im Dorf Chisapani ein medizinisches Hilfscamp mit Lebensmittelverteilung durchgeführt hat. Das Dorf leidet noch immer unter den schweren Überschwemmungen der letzten Jahre.


  • Father Michael hat zusammen mit seinem Team die Ärmsten in 21 Gemeinden der Hügelregion mit je einem 25kg Reis-Sack versorgt. Die Empfänger wurden zum Voraus durch die Gemeindebehörden bestimmt. Insgesamt haben 681 Familien ein Sack erhalten. Zusätzlich hat er 43 Säcke an Wanderarbeiter-Familien verteilt, die in unserer Region in Zelten wohnen.


  • In unserem Ratnanagar Spital geben wir bei Bedarf Lebensmittel an Schwangere, junge Mütter, unterernährte Kinder und weitere Bedürftige ab. Unser Sekretär Samin ist zusammen mit unserer Kinderkrankenschwester Pramila dafür verantwortlich. Die zuständigen Ärztinnen müssen für die Abgabe ein «Lebensmittel-Rezept» ausstellen.


  • Unser Niswarth, der "wheely boy", kann an bedürftige Behinderte ein Lebensmittelpaket verteilen.
  • Und wir haben ein Check für 5000 CHF an unsere Gemeindepräsidenten übergeben - zur Hilfe für besonders Notleidende unserer Municipality.

Insgesamt 27'000 CHF hat Shanti Med bisher für diese Aktionen ausgegeben. Damit es nicht beim Tropfen auf den heissen Stein bleibt und sich die Ernährungssituation etwas nachhaltiger erholen kann, haben wir weitere Aktionen geplant. 

Nur Dank Ihnen, unseren Mitgliedern und grosszügigen SponsorInnen, war die bisherige Hilfe möglich. Und ich würde mich freuen, wenn Sie mithelfen, weitere Aktionen durchzuführen. Der grosse Dank der Menschen in Nepal ist Ihnen gewiss.

 

Gute Neuigkeiten aus dem Ratnanagar Spital

Bisher konnte unser Spital die Corona Pandemie gut meistern. Nur ein Fall wurde positiv getestet, der Patient zeigte keine schweren Symptome und konnte zu Hause behandelt werden. Alle vorgeschriebenen Vorsichtsmassnahmen werden recht strikt durchgeführt.

Unser Spital wurde von der Provinzregierung aufgewertet, das heisst wir sollten mehr Unterstützung erhalten. Bereits wurde ein neuer staatlicher Chirurg angestellt, welcher v.a. abdominal Chirurgie, u.a. Gallenblasenoperationen, macht. Und wir haben nun auch eine kleine Blutbank eröffnen können.



Die lange geplanten Umgebungsarbeiten sind endlich fertig gestellt und bringen eine grosse Verbesserung der Sauberkeit im Spital. Nun gilt es noch, die kahlen Blumenrabatten zu bepflanzen und damit den Eingangsbereich des Spitals zu verschönern.

 

 

Jetzt ist es ganz besonders wichtig den notleidenden, hungernden Menschen in Nepal Hoffnung zu geben !

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