Seit unserer Ankunft in Nepal vor einem Monat, die Monsunzeit war gerade vorbei, zeigt sich hier die Natur von ihrer üppigen Seite. Alles spriesst und am Zitrusbaum im Hotelgarten, welcher im Frühjahr voll von duftenden Blüten war, hängen nun grosse Pampelmusen wie Weihnachtskugeln. Und die goldgelben Reisfelder sind bald bereit für die Ernte. Besonders schön war ein Ausflug nach Kirtipur, einer der nahe Kathmandu gelegenen alten Königsstätte, wo die Musiker der RUDRA-Band, die im Sommer eine Tournee durch die Schweiz gemacht hatten, wohnen. Und sie zeigten uns das im Bau befindliche „Haus für Musik“, welches sie nun in dieser ruhigen, weiten Landschaft bauen.

Wie immer bei meiner Ankunft in Kathmandu habe ich zunächst auch meine besonderen Schützlinge von früher in Budhanilkantha besucht. Fünf Kinder einer Familie leiden dort an der vererbten Krankheit Xeroderma pigmentosum, welche schon im frühen Alter zu Hautkrebs führt, weil die Betroffenen keinen genügenden UV-Schutz in ihrer Haut haben. Sie brauchten dringend Medikamente, um die erneut aufgetretenen Vorstadien von Hautkrebs zu behandeln, sowie Sonnenschutzmittel. Wie immer war die Freude des Wiedersehens für uns alle gross und auch Purnima war da, welche sich inzwischen zu einer strahlenden jungen Frau entwickelt hat. Dank Stöcken kann sie trotz ihrer grossen Meningomyelozele etwas gehen.

Die ersten Wochen in unserem Zentrum im Süden waren recht anstrengend: Für Beatrice Baumgartner, die Kinderärztin, und Edith Brönnimann, die Röntgentechnikerin, war alles neu und sie brauchten Erklärungen über den Ablauf, über unsere Mitarbeitenden … . Und in den ersten Tagen kamen viele Patienten, welche auf unsere Ankunft gewartet hatten. Und wie immer zu Beginn mussten wir eine Generalreinigung unserer Räume machen und kaputte Sachen ersetzen.

Doch dann kamen auch schon in den ersten Tagen M. Mahesh und sein Team aus Kathmandu, unsere Partner für das Abfallprojekt. Unser Volontärhaus war überfüllt mit vier zusätzlichen BewohnerInnen. Zwei Nepalesinnen mussten gar auf dem Boden schlafen, doch das war für sie nichts Besonderes, schlafen doch hier viele Leute ihr ganzes Leben auf dem Boden. Dank dieser konstruktiven Zusammenarbeit können wir nun unser Spital-Abfallprogramm im ganzen Distrikt Chitwan ausweiten. Wir werden dabei unterstützt von der Organisation „Healthcare without Harm“ mit Sitz in England. Eine Projektleiterin dieser Organisation, Ruth Stringer, war ebenfalls mit angereist. Unser Spital soll zunächst Vorzeige-Modell und Informationszentrum für die umliegenden Gesundheitsposten sein. Der Gesundheitsminister aus Chitwan, ein Arzt, hat uns seine moralische Unterstützung zugesagt. Sein Wunsch ist es, dass später auch die Spitäler der Region mit einbezogen werden. Leider können wir vorerst nur den ersten Teil realisieren dank einer kleinen finanziellen Unterstützung von UNDEP (Development Project der UNO).

Bea und Edith haben sich schnell gut eingelebt und sind eine grosse Hilfe. Bea bleibt 3 Monate hier und Edith musste nach ihrem dreiwöchigen Einsatz vorgestern wieder an die Arbeit in die Schweiz zurückkehren. Sie hat sich intensiv unserem Röntgengehilfen angenommen und hoffentlich wird er das Gelernte nun auch weiterhin sorgfältig umsetze. Bea’s grosses Wissen und ihre lange Erfahrung ist natürlich vor allem für unseren kleinen Patienten sehr wertvoll. Sie hat aber auch viel Erfahrung in anderen Gebieten, etwa der Behandlung von unseren zahlreichen PatientInnen mit chronischem Asthma. Schon in den ersten Tagen hat sie sich zusammen mit unserem Dr. Ram Chandra auf dessen Motorrad in die entlegene Stadt Narayangadh aufgemacht, um ein neues Inhalationsgerät zu kaufen.

Im Moment ist gerade das grosse Dashain Fest, das etwa unseren Weihnachtstagen entspricht, ein Riesenrummel von Verwandtenbesuchen und Pilgerreisen zu nahen und fernen Tempeln. Wir geniessen ein paar Tage Ruhe. Junge Männer aus dem Dorf haben in unserer Nähe ein hohes „Ping“ aufgestellt, eine grosse Schaukel aus langen Bambusstangen. Fast den ganzen Tag vergnügen sich Kinder und Erwachsene darauf. Natürlich wurde ich auch zu einigen grossen Essen mit der Verwandtschaft unserer Mitarbeitenden eingeladen. Allerdings ist dies für mich eher etwas stressig: Essen unter der Beobachtung von mehr als 10 Augenpaaren, als einzige auf einem Stuhl platziert, die anderen essen im Schneidersitz am Boden. Und natürlich will die ganze Verwandtschaft in allen möglichen Kombinationen fotografiert werden. (Foto 11) Doch alles ist immer wieder voll Überraschungen und ich kann viel lernen über die Sitten und Menschen, auch von ihrem einfachen und zufriedenen Leben, trotz Armut.

Leider sind die Bauarbeiten zur Fertigstellung des neuen Spitals noch immer nicht wieder aufgenommen worden. Offenbar ist der neue Kredit aus Indien noch nicht eingetroffen. Es ist fast zum Verzweifeln. Immerhin ist nun bald das neu ausgebaute Zusatzzimmer neben unserer Tagesklinik fertig, sodass wir mehr Platz haben werden und auch einen zweiten nepalesischen Arzt anstellen können.

 

"Shanti Med Nepal" hat von der Energiegenossenschaft Solarspar in Sissach ein zinsloses Darlehen von 50‘000 Fr. erhalten zur Mitfinanzierung einer Solaranlage auf dem neuen "Gunjaman Singh Memorial Hospital". Diese Anlage wird das Spital vollständig mit Solarenergie ausrüsten, sodass wir völlig vom Netz unabhängig sein werden. Dies ist nicht nur eine Pioniertat für Nepal, denn es wird die zweitgrösste Solaranlage in Nepal sein, sondern auch sehr wichtig, weil es in der niederschlagsarmen Zeit in Nepal tagelang Stromunterbrüche von bis zu 18 Stunden gibt. Ein funktionierendes Spital wäre damit unmöglich, ohne dass man mit grossen, dieselfressenden Generatoren arbeiten würde. Herzlichen Dank an die Solarspar - www.solarspar.ch.

  

Obwohl es manchmal grosse Schwierigkeiten mit dem Management gibt ist die Arbeit hier in der abgelegenen Region im Süden Nepals nach wie vor sehr interessant und lohnend. Insbesondere die vielen dankbaren PatientInnen und ihre oft so strahlenden Augen, sowie die vielen kleinen Geschenke, die sie bringen, freuen mich sehr. Meist sind dies etwas Gemüse oder Früchte, ganz frisch aus ihrem eigenen Garten, oder Haarspangen, so bunt, dass ich mir damit wie ein Kanarienvogel vorkomme.

Unser Day Care Center hat sich zu einem guten Zentrum entwickelt, die Zahl der Patienten steigt stetig an dank der guten Motivation unserer MitarbeiterInnen und auch vieler Schweizer VolontärInnen, durch welche immer wieder etwas Neues gelernt werden kann. Am 10.11. ist Dr. Ueli Guggisberg, ein Internist, angekommen. Er hat die Chemikalien für Sputumuntersuchung auf Tuberkulose-Bazillen mitgebracht. Und gleich beim ersten hustenden Patienten, einem armen Patienten aus der Ziegeleifabrik, ist er fündig geworden. Das hat deutlich gezeigt, wie wichtig es ist, dass wir solche Untersuchungen in Zukunft selber machen, denn bisher hatten wir nie ein positives Resultat, wenn wir die Patienten in das lokale Health Zentrum geschickt hatten. Dort wird das Sputum lediglich von den Health Workern untersucht, die dafür sicherlich zu wenig ausgebildet sind. Auch Cornelia Stockmann, eine Krankenschwester, war für zehn Tage hier und hat alle Verbände gemacht.

Manchmal staune ich, wie viele Strapazen die Leute auf sich nehmen müssen, um zu uns zu kommen: Kürzlich kam eine 75 jährige Patientin mit Arthrose in den Beinen und einer chronischen Hautkrankheit. Ich wollte sie nach einer Woche wieder bestellen. Aber sie meinte, das sei wohl schwierig, denn sie sei 10 km zu Fuss unterwegs gewesen und möchte erst in zwei Wochen wieder kommen. Andere Patienten kommen mit dem Velo aus den Hügeln und brauchen zwei Stunden bis zu uns. Besonders schwierig ist es für die betagten Menschen, wenn sie keine Angehörigen haben, bei denen sie wohnen können und Unterstützung finden. Ihr Alltag ist beschwerlich, sie haben niemanden, der sie zum Arzt begleitet und meistens leiden sie auch an Hunger. Eine 72 jährige Patientin, sie wog nur gerade 31 kg, klagte, dass sie nur alle drei Monate eine staatliche Hilfe von 2000 Rupien erhalte, das sind kaum 25 Franken. Das reiche gerade nur für eine Mahlzeit mit Reis und Linsen pro Tag.

Leider hatten wir mit der Auswahl eines neuen nepalischen Arztes zunächst), nicht so viel Glück. Eigentlich wollte ich den Freund von Dr. Raj auswählen, aber der "Manager" unseres Zentrums, Herr Umesh wollte ihn nicht. So haben wir aus einer Dreierauswahl Dr. Gupta gewählt. Fachlich war er wohl in Ordnung, aber dann ist er kurz nach seiner Einstellung während vier Tagen nicht erschienen ohne sich abzumelden, ohne ein Telefon oder unsere SMS zu beantworten. Dann hatte ich genug und schlussendlich musste Umesh doch einwilligen, Dr. Ram Chandra, den Freund von Dr. Raj doch anzustellen. Doch nun wird er von Herr Umesh gemoppt und ich hoffe, dass er trotzdem bleibt. Dr. Gupta kam dann am 5.Tag wieder und erzählte, er hätte Familienmitglieder mit einer Lebensmittelvergiftung behandeln müssen. Trotzdem hätte er wohl fünf Minuten für ein Telefon finden können. Wir haben ihn entlassen.

Unser Apothekerassistent, Prawin, hat die Aufnahmeprüfung für das weitere Studium bestanden, er wird ein staatliches Stipendium erhalten, und uns verlassen, schön für ihn, aber traurig für uns, denn er war zuverlässig und konnte am Bestem englisch vom ganzen Staff.

Ärger und lange Diskussionen gab es seit Beginn immer wieder mit Herr Umesh, dem "Manager" des Day Care Center. Er spielt den grossen Chef und geht ziemlich rüde mit dem Personal um, er befiehlt und das Personal hat ohne Diskussion zu gehorchen. Natürlich habe ich mich immer wieder eingemischt, aber oft hat es nichts gefruchtet. Zudem hat er aus der Klinikkasse auch immer wieder Dinge für sich persönlich bezahlt, was ich ebenfalls jedes Mal beanstandete, wenn ich es in der Buchhaltung feststellte. Gestern, nach einem ernsthaften Gespräch mit dem Präsidenten der nepalischen Stiftung hat Durgesh endlich zugestimmt, dass er Umesh kündigen wird. Die ehemaligen VolontärInnen können sicher verstehen, wie erleichter ich bin.

Anschliessend hatte ich ein wunderbares Abschiedsnachtessen in einem traditionellen Restaurant in einem der alten Königspaläste mit Mahesh und Saraswoti, welche regelmässig unser Waste Managment Project kontrollieren und Fortbildung machen. Sie haben versprochen bei der Suche nach einem neuen Manager behilflich zu sein und so kann ich zuversichtlich nach Hause reisen.

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