Nothilfe für die Erdbebenopfer vom 25.4.2015

Dank guter Vernetzung mit anderen lokalen Organisationen konnte Shanti Med schon früh an vielen Einsätzen teilnehmen und/oder dazu finanziell beitragen.

 

Zeitungsbericht: Schweiz am Sonntag - 09. Mai 2015 - Ruth Gonseth - Arbeitsalltag in Nepal nach dem verheerenden Erdbeben

29.5.2015: Medizinisches Notfallcamp in Nuwakot

Heute haben wir unser letztes Notfallcamp vor meiner Heimreise durchgeführt und zwar in Nuwakot, dem Bezirk nordwestlich von Kathmandu, welcher vom Erdbeben besonders stark betroffen ist. Nach einer langen Anfahrt entlang des Trishuli Flusses mussten wir eine Hängebrücke über einen nördlichen Zufluss überqueren. Auf der anderen Seite gab's nur einen Lastwagen, welcher uns etwa 5 km in die Höhe in ein kleines Dorf gefahren hat. Unterwegs sahen wir fast durchwegs nur zerstörte Häuser. Wiederum kamen die PatientInnen in Scharen, Menuka hat wieder Zähne gezogen, diesmal waren es 150. Die hohe Zahl erstaunt wohl, aber viele der älteren Leute haben gleich mehrere wacklige, faule Zähne und lassen sie gleich alle ziehen, um endlich die Schmerzen los zu werden. Unglaublich, wie tapfer die Menschen das hier hinnehmen. Da hört man keinen Mucks, auch nicht von Kindern, welchen Karies befallenen Milchzähne gezogen werden.

Die Notfallcamps sind nun vorbei, aber unsere Hilfe an die Erdbebenopfer geht weiter. Bereits haben wir einen grossen Betrag aus der Spende von Swisslos BL für den Wiederaufbau von zwei zerstörten Schulen in den Chepang Dörfern ausbezahlt.

23.05.2015: Notfallcamp in Gorkha, Phujel

Das heutige Camp wurde von einem Freund, Dr. Biswo Poudel, Dozent an der Tribuvan Universität in Kathmandu, organisiert. Seine ehemaligen Studenten und Freunde einer Universität in Hongkong hatten viel Geld gesammelt für Lebensmittel und Zelte und waren dann zu sechst selber angereist, um u.a. das Camp zu begleiten. "Shanti Med Nepal" hat das medizinische Camp organisiert und finanziert.

Frühmorgens sind wir in Chitwan losgefahren, die anderen kamen aus Kathmandu. Etwa in der Hälfte, in Benighat, haben wir uns getroffen. Von dort geht es über die neue Trishuli-Fluss-Brücke hinauf in den unendlich weit verzweigten Gorkha-Distrikt. Die andere Gruppe war schon da und heftig am Diskutieren, denn der Chauffeur des riesigen Lastwagens weigerte sich hinauf zu fahren, die Strassen wären für seinen schweren Laster zu eng und zu schmal.

Nach etwa einer Stunde Wartezeit wurde es mir zu bunt und ich verlangte, dass das medizinische Team schon mit dem einen Vierradwagen losfahren könnte. Endlich war es soweit, aber nach etwa zwei Kilometer gab's wieder ein unfreiwilligen Halt, zwei Busse hatten sich auf der schmalen Strasse ineinander verkeilt. Zu Fuss bin ich dann mit Surej losmarschiert und habe die Morgenwanderung in der weiten stillen Hügellandschaft sehr genossen.

Nach gut einer halben Stunde kam dann unser Auto auch wieder an und nach einer weiteren halben Stunde haben wir unser erstes Ziel, das grosse Dorf Phujel, erreicht. Unser Camp fand wieder unter einem weit ausladenden Baum auf dem Schulhausplatz statt. Obwohl das Schulhaus von aussen ziemlich intakt aussah, war es innen überall voll mit Schutt aus eingestürzten Mauern. Alles muss später neu ausgebaut werden.

Viele Menschen haben uns bereits erwartet, und innert 4 Stunden konnte ich zusammen mit Surej etwa 120 Patientinnen betreuen; inzwischen hat Menuka, die Zahnassistentin aus unserem Spital, etwa 100 Zähne(!) gezogen.

Obwohl wir eigentlich noch nicht fertig waren, mussten wir dann weiter in ein nochmals höher gelegenes Dorf, wo uns ebenfalls viele PatientInnen erwarteten. Dort haben wir unsere Arbeit zuerst vor dem Dorfladen angefangen, wegen eines Wolkenbruchs mussten wir dann in den Laden zügeln und schlussendlich konnten wir nur noch dank unserer Little Sunflower Solarlampen weitermachen ...

In der Zwischenzeit hat Biswo zusammen mit den jungen SponsorInnen aus Hongkong Lebensmittel und Zeltplanen, welche inzwischen auf kleinere Trucks umgelagert worden waren, für 900 Haushalte in vier verschiedenen Teilgemeinden verteilt.

Erst kurz nach Mitternacht waren wir wieder zurück in Ratnanagar.

16.05.2015: Notfallcamp in der Nähe von Manakawana

Heute haben wir unser 10. Notfallcamp gemacht. Wie bei den vorigen Camps bringen wir vor allem Zeltplanen, Nahrungsmittel und medizinische Hilfe. Das Camp fand im Tal statt und die Leute kamen scharenweise aus den benachbarten steilen Hügeln. Wiederum waren die Bedürftigsten vorher auf einer Liste eingetragen, damit die Hilfe an die Richtigen verteil werden konnte. Dr. Raj und ich konnten in der Zwischenzeit etwa 120 PatientInnen medizinisch betreuen. Bei der tropischen Hitze waren wir dankbar, dass wenigstens die beiden grossen Bäume, Pipel und Bar, uns Schatten spendeten. Diese beiden Bäume findet man fast in allen Dörfern nebeneinander, oft sind sie schon über 100 Jahre alt. Sie gelten als heilige Bäume, weil Buddha darunter meditiert und die Erleuchtung erreicht hatte.

15.05.2015: Notfallcamp Makwanapur, Dörfer Loathar und Bhartha

Heute hat das Team der Chepang Schule die beiden Dörfer Loathar und Bhartha in der Grossgemeinde Makwanapur besucht und die übliche dringende Versorgung mit Zeltplanen und Nahrungsmitteln gebracht, für 100 Familien in Lothar und für 120 Familien in Bhartha. Ich selbst konnte an diesem Camp nicht teilnehmen, weil ich im Spital zu beschäftigt war, trotzdem konnte ein Health Camp durchführt werden mit den drei Krankenschwestern Sr. Miriam, Sr. Rose Mary and Sr. Agnes, welche z.Z. gerade in der Chepang Schule auf Besuch waren und üblicherweise in einem entfernten Spital des gleichen Ordens arbeiten.

13.05.2015: Notfallcamp in Korak

Die Grossgemeinde Korak ist nur schwer zugänglich, immer noch sind die Strassen kaum passierbar wegen der Erdrutsche. Die Gemeinde ist flächenmässig sehr gross und kleine Weiler sind weit verstreut auf den steilen Abhängen gebaut. Hier sind viele Häuser durch die vielen Beben ganz oder teilweise unbewohnbar. Drei dieser Weiler konnten heute mit Notfallmaterial versorgt werden. Die Leute waren in grosser Sorge, weil bereits mehrere heftige Regengüsse wie in der Monsunzeit niedergegangen waren. Während der eigentlichen Monsunzeit sind die Leute von der Aussenwelt abgeschnitten, die Strassen unpassierbar für den motorisierten Verkehr. Die Leute waren sehr dankbar, dass sie nun wenigstens etwas Notfall-Vorrat anlegen können. Doch scheint dieser noch nicht zu genügen.

Obwohl diese Chepang Familien seit Generationen auf diesen Hügeln ansässig sind, haben die Meisten von ihnen keine Identitätspapiere und gelten deshalb nicht als Nepali. Dies ist ein grosses Problem auch vieler anderer "Ureinwohner" der untersten Kasten. Sie wurden lange nur ausgenutzt, konnten nie in die Schule, und können meist nicht beweisen, dass ihre Familien schon sehr lange diese Gebiete bewohnen und hier ihr "eigenes Land" bearbeiten. Der fehlende Identitätsausweis ist nun besonders bitter, weil sie keine Spezialkarten erhalten können für rationierte, d.h. durch die Regierung vergünstigte Nahrungsmittel.

 

 

12.05.2015: Notfallcamp Makwanapur, Dorf Kakkada

Der Makwanpur District wird von der Regierung als einer der 11 am Meisten betroffenen Bezirke beurteilt. Kakkada liegt in diesem Bezirk und wurde durch das Beben sehr stark beschädigt.

Nepal Little Flower Society zu welcher auch die Chepang Schule gehört, hat in den Dörfern dieses Bezirkes seit 11 Jahren Schul- und Gesundheitsprogramme aufgebaut.
Deshalb soll in diesem Bezirk nach den Notfallcamps auch der Wiederaufbau der Infrastruktur möglichst bald angefangen und unterstützt werden. Auch Shanti Med Nepal wird sich an den Kosten des Wiederaufbaus beteiligen.

Heute hat ein kleines Team Notvorrat und Zeltplanen für 100 Haushalte gebracht. Am Mittag, kurz nach 12 Uhr, gab es dort oben erneut ein schweres Beben. An Hängen hatten sich wieder Erdrutsche gelöst, sodass das Team möglichst schnell den Rückweg antrat, aus Angst, dieser könnte von Erdrutschen blockiert werden.

 

08.05.2015: Camp in Dhuwakot und Bharyangbhurung, District Dhading

In diesen Dörfern wohnen die Schwiegereltern, resp. der Onkel, von Suresh, unserem hilfsbereitesten Staff-Mitglied. Ihre Häuser sind seit dem Beben unbewohnbar und die Familien leben nur noch unter den Zeltplanen. Es war eine lange und abenteuerliche Fahrt, etwa 5 Stunden, zunächst auf guten Strassen bis Dhading, dann noch 10km auf einer engen Schotterstrasse weit hinauf auf die Hügel. Das Dorf Dhuwakot liegt nahe am Epizentrum des Bebens. Mindestens dreiviertel der Häuser sind unbewohnbar. Auf unserem Lastwagen hatten wir Zeltplanen, Reis, Linsen, Salz und Nudelsuppen.

Wiederum machten wir ein Medizincamp unter freien Himmel. In der kurzen Zeit konnte ich etwa 70 PatientInnen untersuchen und behandeln. Inzwischen wurde ein Teil der Hilfsgüter nach Bharyangbhurung gebracht. Die Zeit reichte nicht mehr, um selber dorthin zu fahren. Erst spät konnten wir wieder aufbrechen, um den langen Heimweg noch vor Mitternacht zu schaffen.

Diese Aktion war wirklich ein voller Erfolg, die Menschen so dankbar.

06.05.2015: Raksinang

Organisation durch die Chepang Schule. Hilfe für 100 Haushalte. Medizincamp für 150 Leute.

Abenteuerliche Fahrt mit Bus, etwa 5km auf dem Flussufer, auf Sandbänken, etwa 10 mal durch den Fluss. Etwa eine halbe Stunde mussten wir dann noch den Berg hinauf wandern zu einem kleinen Health Post, welcher nicht zerstört war. Zusammen mit einem Health Worker machte ich dort ein medizinisches Camp. Inzwischen haben die Anderen weiter oben die Hilfsgüter verteilt.

 

 

06.05.2015: Hilfsgütercamp in Makwanpur

An diesem Camp der Little Flower Chepang School habe ich selber nicht teilgenommen, aber wir haben die Hilfsgüter finanziert.

 

 

04.05.2015: Camp in Kalikhola

Zusammenarbeit mit Little Flower Chepang School

Kalikhola ist eine weitläufige Chepang Community mit vielen zerstreuten Kleinsiedlungen auf den steilen Hügeln in der Nähe von Mugling.

Frühmorgens sind wir mit zwei vollgepackten Autos losgefahren. Ursprünglich war vorgesehen, das Camp in der, etwa eine halbe Stunde zu Fuss erreichbaren, kleinen Schule zu machen. Doch auch die Schule war durch das Erdbeben teilweise zerstört. So wurde das Camp direkt an der Hauptstrasse auf einem kleinen Platz oberhalb des Trishuli Flusses unter freiem Himmel gemacht.
Father Cherian meinte, die Leute wären besser geübt hier runter zu kommen als wir nach oben zu steigen.

Wir hatten 45 Säcke Reis, 10 Schachteln Nudelsuppen, Zeltplanen und viele Medikamente mitgebracht.
Dr. Raj und ich haben zusammen mit einem Helfer an einem Tisch etwa 150 PatientInnen untersucht und ein anderer Helfer hat die Notfallapotheke betreut.
Schon bald kamen die Menschen in Scharen von den Hügeln, weit mehr als geschätzt worden war. Bald war auch die Polizei angerückt, weil die vielen Menschen an der Strasse ein Hindernis bildeten und es zu Staus kam. Auch die mitgebrachten Esswaren waren nicht ausreichend für so viele Menschen, sodass in den Strassendörfern nochmals Reis gekauft werden musste, so viel wie dort erhältlich war.
Milena hat Kinderkleider verteilt.

02.05.2015: Camp in Devjuli und Patientenbetreuung im Sahaj Spital

Offenbar gibt es in der ganzen Region keine Zelte mehr zu kaufen. So hat Karuna vom Gaidakhot Spital eine Rolle Zeltplachen aus Butwal (3 Stunden entfernt) organisiert. Zusätzlich wurden Moskitonetzte gekauft. Die Verteilung wurde durch die Gemeindebehörde der Devjuli Municipaliy organisiert, zu der auch Kritipur gehört. Die Leute sind vorher ausgewählt und registriert worden und konnten dann an zwei verschiedenen Sammelplätzen die Sachen abholen.

Am Morgen hatte ich zuerst alle 18 PatientInnen aus Kritipur, welche am Abend vorher im Gaidakhot Spital eingetroffen sind untersucht. Viele haben hohen Blutdruck, Distorsionen an den Knöcheln von Unfällen, als sie aus den Häusern sprangen, andere Gelenkschmerzen, und ein Mann seit vier Monaten eine Halbseitenlähmung nach Schlaganfall. V.a. um diesen letzteren habe ich mich intensiver gekümmert und mit Suresh zusammen mit ihm zwei Stunden Physiotherapieübungen gemacht. Und zu unserer Freude konnte er nachher bereits seinen Fuss und Oberarm wieder etwas bewegen, zum Schluss haben wir mit ihm sogar einen kleinen Spaziergang gemacht und das ist fürs Erste ganz gut gegangen. Am Glücklichsten war natürlich der Patient selber!

28.4.2015: Notfallcamp in Kritipur

Am 28.4. habe ich erstmals an einem Notfallcamp im entlegenen Bergdorf Kritipur teilgenommen. Es wurde vom Gaidakhot Spital organisiert. Ursprünglich war nur geplant, dort einen Notfallfonds für dringliche Wiederaufbauarbeiten einzurichten. Als ich dann spontan zugesagt hatte, dorthin mitzukommen und Medikamente zu spenden, waren sie sehr erfreut und haben auch dieses zusätzlich organisiert.

Die Fahrt ins abgelegenen Dorf mit etwa 100 Haushalten in ein Hochtal dauerte etwa 1 1/2 Stunden.

Viele Leute haben uns dort schon erwartet, die grosse Armut und die Angst der Leute war ihnen ins Gesicht geschrieben. Auch in diesem Dorf hat es offenbar keine Toten oder Schwerverletzte gegeben, jedoch etwa ein Drittel zerstörte Häuser.

Nach unserer Ankunft waren unter einem Vordach zwei Tische und Stühle und unter einem anderen Vordach ein Bett für die Apotheke bereit und wir konnten mit der Arbeit beginnen. Ausser mir hat noch ein Health Worker die Leute untersucht und behandelt, jemand die Apotheke gemacht , insgesamt etwa 120 Patienten . Von den Frauen hatten etwa ¼ Kopfweh, Schwindel und Gastritis seit dem Erdbeben. Kein Wunder, sie alle waren so verängstigt, getrauen sich nicht mehr in den Häusern zu bleiben und sie schlafen nachts draussen trotz wiederholtem Regen. Es sind ja immer noch weitere Beben angesagt.

Kurz vor Einbruch der Dunkelheit waren wir dann endlich fertig und ich konnte noch einen Rundgang durchs Dorf machen. Das Dorf hat mich ein armes Tessinerdorf erinnert, meist kleine Steinhäuser, eng aneinander gebaut und nur kleine Vorplätze davor. Diese Plätze waren vom Regen matschig, voll von Hühnern und Ziegen. Und dazwischen die Leute und die vielen Kinder, unglaubliche Armut, entsetzliches Elend. Einzelnen sehr armen Frauen mit Kindern habe ich je 1000R zugesteckt, wenn es niemand sah, weil ich ja nicht für alle genügend dabei hatte.

Trotz allem war unser Besuch für die Leute sicher ein Lichtschimmer in ihrer Angst und im Elend und ich war froh, helfen zu können.